Seit zehn Jahren sind wir dabei: erst im Publikum, heute im Orga-Team und als Sponsor. Weil die besten Ideen nicht auf Bühnen entstehen, sondern zwischen zwei Sessions.
„Juniors bringen Seniors etwas bei, und Seniors lernen von Juniors.“
Am 8. und 9. Oktober 2016 findet das erste JSCraftCamp statt, bei Virtual Identity in München. Die Idee ist einfach und für eine Tech-Veranstaltung ziemlich radikal: Es gibt kein Programm. Keine Keynotes, keine Tracks, keine Speaker-Auswahl im Vorfeld.
Stattdessen steht am Morgen jede und jeder auf, der ein Thema mitgebracht hat, stellt es in einem Satz vor und klebt einen Zettel an die Wand. Was Interesse findet, bekommt einen Raum und eine Uhrzeit. So entsteht in einer Stunde ein Plan für zwei Tage, und er ist jedes Jahr ein anderer.
Seit 2017 hängen sie als handgemalte Plakate an der Wand: die Prinzipien des Open Space. Sie klingen verspielt und sind doch der Grund, warum das Format funktioniert. Niemand muss eine Session aus Höflichkeit absitzen, niemand muss eine Stunde füllen, nur weil sie im Plan steht.
Wer in einer Session weder lernt noch beiträgt, geht weiter. Das ist kein Affront, sondern ausdrücklich erwünscht.
Wandern von Raum zu Raum und tragen Ideen aus einer Session in die nächste.
Machen Pause, ohne schlechtes Gewissen. Am Kaffeetresen entstehen oft die besten Gespräche.
Eine Session dauert so lange, wie sie trägt. Nicht länger, nicht kürzer.
2020 und 2021 fällt das Camp aus. Ein Treffen, das davon lebt, dass Menschen im selben Raum stehen und Zettel an dieselbe Wand kleben, lässt sich nicht sinnvoll in ein Videocall-Raster pressen.
Im Juli 2022 geht es weiter, und es zeigt sich, was eine Community ausmacht: Sie war die ganze Zeit da. Die Anmeldung läuft wie immer über einen Pull Request im GitHub-Repository des Camps, und die Plätze sind schnell vergeben.
Wir sind seit zehn Jahren dabei. Erst als Teilnehmende mit eigenen Sessions, dann als Sponsor, und heute sitzt Michael Zoidl im ehrenamtlichen Orga-Team, gemeinsam mit rund zehn weiteren Entwickler:innen, die das Camp in ihrer Freizeit stemmen.
Das Camp kostet keinen Eintritt. Getragen wird es von Unternehmen aus der Münchner Tech-Szene: 2026 sind es zwölf, von Kaffee und Frühstück über Pizza und T-Shirts bis zur Location. TNG Technology Consulting stellt die Räume in Unterföhring, alm ist einer der Sponsoren. Alles Geld fließt direkt in das, was die Teilnehmenden brauchen.
Wir versprechen uns vom Camp nichts, das man in einem Funnel messen könnte. Wir gehen hin, weil wir dort hören, was die Szene gerade umtreibt: welche Werkzeuge an Bedeutung gewinnen, welche Probleme gerade alle haben, welche Ansätze sich bewährt haben und welche nicht.
Ein guter Teil der Ideen, mit denen wir am Montag wieder in den Code gehen, stammt aus Gesprächen am Rand einer Session, auf der Terrasse oder über einem Pizzakarton. Eine Software-Bude, die nur in der eigenen Blase lebt, ist irgendwann nur noch dort relevant. Das JSCraftCamp ist für uns einer der Orte, an denen das nicht passiert.